Expedition Himalaya: Rückkehr vom Mera Peak
Einen Tag später als geplant, am 1. November 2011 war es soweit – zwei Jahre Vorbereitungszeit und Planungen gipfelten in der erfolgreichen Besteigung des 6461 Meter hohen Mera Peak in der Everestregion Nepals. Doch was Kameramann und Diplom-Geograph Nils Peuse sowie seine Mannschaft zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: schlechtes Wetter würde Ihnen auf dem Abstieg noch einige Probleme bereiten.
Um 7.45 Uhr waren alle Anstrengungen für einen Augenblick vergessen, die Nils Peuse gemeinsam mit Gipfelpartner Christian Wunderlich und dem nepalesischen Guide Jas Bahadur Rai über den zweieinhalb Wochen andauernden Anmarsch auf sich nehmen musste. „Wenn man ein Panorama mit fünf Achttausendern vor sich hat, dann weiß man wieder, wofür man sich die ganze Schinderei antut“, so der 28-Jährige.
Um 3.30 Uhr war die dreiköpfige Seilschaft im Schein ihrer Stirnlampen vom High Camp in 5780 Metern Höhe in Richtung Gipfel aufgebrochen. „Bis etwa 6350 Meter habe ich mich sehr gut gefühlt und hatte im Grunde keine Probleme. Als es dann allerdings hinter einer Kuppe schlagartig anfing, stark zu wehen, meine Trinkflaschen bei ca. -25°C Windchill vollkommen eingefroren waren und zudem ein japanischer Bergsteiger mit massiven Erfrierungen an acht Fingern zum sofortigen Abstieg gezwungen wurde, dachte auch ich kurz über einen vorzeitigen Abstieg nach. Das war nicht gerade ein ermutigender Moment.“
Dass die Gruppe es letztlich trotzdem auf den Gipfel geschafft hat, schreibt Peuse seinem Bergpartner Christian zu. „Wenn er mich in diesem Moment nicht motiviert hätte, hätte ich vermutlich umkehren wollen. Doch das hätte bedeutet, dass auch er und unser Guide hätten absteigen müssen. Zudem waren wir hervorragend ausgerüstet und hatten rein objektiv betrachtet keinerlei ernsthafte Schwierigkeiten zu erwarten. Die Sicht war klar und wir hatten nur noch ca. 100 Höhenmeter vor uns. Daher stiegen wir nach einer kurzen Pause einfach weiter.“
Wenig später standen alle Drei nach der Überwindung des letzten Steilstücks bei bester Panoramasicht für etwa eine halbe Stunde auf dem 6461 Meter hohen Gipfel und bewunderten das nochmals um ca. 2400 Meter höhere Everest-/Lhotsemassiv, das vom Mera Peak betrachtet wie ein uneinnehmbares Bollwerk wirkt. Ebenfalls in greifbarer Nähe baut sich die elegant geschwungene Silhouette des Makalu (8463m) auf, während in der Ferne sowohl der unscheinbare Cho Oyu (8201m) als auch der dritthöchste Berg der Welt, der Kanchendzönga (8598m), thront. Peuse: „Es war ein sehr beeindruckender Augenblick, fünf Achttausender und unzählige Sechs- und Siebentausender direkt im Blick zu haben.“
Dass tief unten im Tal das Wetter am Vortag umgeschlagen war und es dort bereits schneite, wusste die Gruppe noch nicht, als sie gegen Mittag den Abstieg vom Gipfel bis ins kleine Dorf Khare auf ca. 5000 Metern hinter sich gebracht hatte. Erst am Nachmittag des darauf folgenden Tages, als Peuse und Wunderlich in dichtem Nebel im Dorf Kote auf etwa 3700 Metern ankamen, war klar, dass die noch folgenden Tage gegebenenfalls problematisch werden könnten. Dabei war weniger die noch notwendige Passquerung des zwischenzeitlich tief verschneiten Zatrwa La (4610 Meter) Gegenstand der Besorgnis, als viel mehr die schlechte Sicht im benachbarten Bergdorf Lukla, jenem Nadelöhr der Region, das für den Großteil aller Trekkingtouristen dank des kleinen Flughafens unter anderem als Ausgangspunkt für den äußerst populären Mount Everest Trek dient.
„Ich hatte eine Vorahnung, dass es eng mit unserem Rückflug werden könnte, wenn während der Hauptsaison mehrere hundert Touristen in Lukla seit Tagen wegen Schlechtwetters festsitzen, war aber dank drei eingeplanter Reservetage zunächst noch relativ beruhigt. Da in Lukla nur bei freier Sicht gestartet und gelandet werden kann, sollte man hier immer Reservetage einplanen“, so Peuse. „Dass die Schlechtwetterphase letztlich über eine Woche andauern würde, hätte ich jedoch nicht gedacht. Es war schon eine Ausnahmesituation, sowohl für uns als auch für viele andere Touristen, die zu dieser Zeit in Lukla auf Wetterbesserung warten mussten und sich zum Teil vor den kleinen Büros der lokalen Airlines um die Ticketvergabe handfeste Raufereien lieferten.“
Dass alle Gruppenteilnehmer schließlich auf Grund der Probleme in Lukla ihre internationalen Heimflüge verpassten, konnte die Freude über die erfolgreiche Expedition jedoch nicht wirklich trüben. Peuse: „Ich bin froh, dass alle Teilnehmer gesund und wohlbehalten, wenn auch verspätet, zu Hause angekommen sind. Der abwechslungsreiche Tourencharakter mit unserem Start im reisbewachsenen und von Touristen seltener begangenen Arun-Valley bis hinauf in die kargen Gletscherregionen eines 6000ers war mindestens so schön wie erwartet.“
Nun geht es an die Auswertung der ca. sechstausend Fotos, was noch einige Wochen in Anspruch nehmen wird, bevor im Frühjahr 2012 die Planungen für die nächste Expedition in den Himalaya starten. Im Herbst 2013 möchte Peuse wieder ins höchste Gebirge der Welt: „Der Himalayavirus lässt mich seit 2004 einfach nicht mehr los. Am liebsten würde ich direkt morgen wieder aufbrechen…“
Primäres Ziel der von Manfrotto Distribution unterstützten Expedition (siehe Dreharbeiten im Himalaya) ist die Produktion eines Beitrags für verschiedene Outdoor Filmfestivals.
Weitere aktuelle Informationen finden Sie unter geo-film.com.
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